Christian Walter stellt das bislang uberwiegend institutionell verstandene Staatskirchenrecht aus der Perspektive der Grundrechte dar. Er betrachtet die unterschiedlichen Transformationsprozesse der Systeme der Trennung von Staat und Kirche in Frankreich und den USA und stellt diesen die Veranderungen im deutschen Modell der Kooperation gegenuber. Dabei zeigt sich trotz fortbestehender Unterschiede im Theoretischen und Grundsatzlichen eine Angleichung der Loesungen in der praktischen Rechtsanwendung. Um die historische Tiefendimension der Entwicklungen deutlich zu machen, erfolgt zunachst eine historisch-vergleichende Betrachtung der drei Rechtsordnungen anhand der Leitmotive der Sakularisierung und der Individualisierung. Die 'Vergrundrechtlichung' des institutionellen Staatskirchenrechts wird anschliessend an ausgewahlten Beispielen vergleichend belegt, bevor ihre Verstarkung auf europaischer und internationaler Ebene durch die europaischen und internationalen Menschenrechtsgarantien analysiert wird. Schliesslich prasentiert der Autor die dogmatischen Konsequenzen der beschriebenen Vergrundrechtlichung fur das deutsche Staatskirchenrecht. Seine Grundthese ist, dass ein modernes Religionsverfassungsrecht Freiraume fur die diskriminierungsfreie Ausubung der individuellen und korporativen Religionsfreiheit in einer sakularen Rahmenordnung schaffen und erhalten muss, aber nicht in den Dienst kultureller Assimilation gestellt werden darf. Dieser grundrechtliche Ansatz wird den Problemen einer religioes zunehmend pluralen Gesellschaft und der Notwendigkeit der Integration der in Deutschland lebenden Muslime besser gerecht als das eher institutionell ausgerichtete traditionelle Staatskirchenrecht.